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  • AutorenbildStefanie Ingold

Wie geht es dir? Einweihung des gelben Bänklis.


Einweihung des gelben Bänklis

Ich gehe davon aus, dass diese knallgelbe Bank ab heute sehr vielen Passantinnen und Passanten und Velofahrerinnen und Velofahrern auffallen wird. Sie werden sich fragen: Hmm, was hat es damit auf sich? Und dann fragt die Bank noch, wie es mir geht?


Die Kampagne für diese Bank liess sich von weltweit verbreiteten Traditionen inspirieren: sei es «Paseo» in Spanien und Lateinamerika, «Bunraku» in Japan oder «Marae» in Neuseeland.


Überall geht es darum, sich zu treffen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Im Sinne dieser Traditionen soll diese Sitzbank die Bevölkerung einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich für das Gegenüber ernsthaft zu interessieren. Es ist wichtig, dass wir uns für das Wohlergehen der Anderen interessieren.


Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (2022) bezeichnen sich 84% der Bevölkerung als glücklich. Gleichzeitig weisen 18% der Bevölkerung Symptome einer mittleren bis schweren psychischen Belastung auf. Davon lassen sich lassen sich nur 8% behandeln. Hängt dies damit zusammen, dass sich 90% der Bevölkerung von ihrem Umfeld genügend unterstützt fühlt, um die Schwierigkeiten des Lebens bewältigen zu können? Das wurde in der Befragung nicht erhoben. Es fällt aber auf, dass sich weniger als die Hälfte der psychisch belasteten Personen in Behandlung begibt. Und dass der Unterstützung durch das Umfeld eine sehr wichtige Rolle zukommt. Darauf zielt die Kampagne um diese neue Bank ab. Sie spricht Betroffene von psychischer Belastung und ihr Umfeld an.


Betroffene sollen ermutigt werden, über ihre Probleme, Ängste und Gefühle zu reden. Es ist normal, dass man mal Beziehungsstress hat, sich einsam fühlt oder Leistungsdruck spürt. Es ist auch normal, dass Körper und Psyche darauf reagieren: mal mit einer schlaflosen Nacht, Appetit- oder Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Wenn das zum Dauerzustand wird, sollte man aber reagieren. Dass das in dieser Situation nicht einfach ist, wissen wir alle hier.


Hier kommt das Umfeld ins Spiel. Beobachten wir, dass es einem Mitmenschen nicht gut geht, sollten wir etwas unternehmen. Aber wie sprechen wir es an?


Das «Wie geht’s Dir?»-Bänkli soll die Bevölkerung der Stadt Solothurn ermutigen, sich um das eigene Wohlbefinden und das ihrer Mitmenschen ernsthaft zu sorgen. Das bedeutet, dass man sich Zeit nehmen soll für ein Gespräch, wenn man sich um einen Mitmenschen sorgt. Dass man ansprechen soll und darf, wenn man sich Sorgen um jemanden macht. Das sind nie einfache Gespräche…


An der Lehne des Bänkli befindet sich eine Infobox. Dort finden sich Gesprächstipps für das Führen von solchen Gesprächen. Ein wichtiger Tipp ist: Die eigenen Grenzen ernst nehmen. Die Unterstützung durch das Umfeld ist wichtig, hat aber auch Grenzen. Und hier kommen die Beratungsstellen ins Spiel, welche heute hier präsent sind und eine wichtige Rolle für die Stabilisierung von psychisch belasteten Menschen und von ihrem Umfeld übernehmen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich nebst den Gesprächstipps auch Informationen zu euren Beratungsstellen in der Infobox befinden.


Ich wiederhole mich: man soll und darf jederzeit miteinander über Wohlbefinden sprechen. Man soll nicht warten, bis die Belastung gross oder zu gross wird. Das gilt auch für den Besuch von den hier anwesenden Beratungsstellen. Der Grund, sich bei einer Beratungsstelle zu melden ist nicht, dass es einem schon sehr schlecht geht und man nicht mehr weiter weiss. Man darf sich auch schon früher melden. Das ist wichtig, weil je länger eine psychische Belastung dauert, desto höher das Risiko einer ernsthaften psychischen Erkrankung. Und je früher eine Krankheit behandelt wird, desto günstiger der Heilungsverlauf.


Was hat es mit dieser Bank auf sich? War die einleitende Frage: Die Stadt Solothurn will ihre Bevölkerung zum Thema psychischen Belastung sensibilisieren. Dazu gehört die Information über vorhandene, kostenlose Beratungsangebote. Und auch der Hinweis, dass es wichtig ist, frühzeitig mit jemandem über eigene Sorgen zu sprechen. Oder auch anzusprechen, wenn man sich über jemanden Sorgen macht. Die Stadt will ihre Bevölkerung motivieren miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu interessieren, wie es dem Gegenüber geht. Sei es zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Spazieren oder sehr gerne auch auf diesem schönen neuen Bänkli.


Als Stadtpräsidentin habe ich die Ehre und das Glück, dieses Bänkli heute offiziell einzuweihen und als erste darauf Platz nehmen zu dürfen. Ich lade euch ein, euch ebenfalls zu setzen. Um miteinander ins Gespräch zu kommen.


Wie geht es dir Bänkli

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