VERABSCHIEDUNG CHRISTOPH VÖGELE

Kunstmuseum Solothurn

29. Januar 2022

 

Titel-Rede.jpg

Lieber Christoph

Liebe Mitarbeitende des Kunstmuseums, liebe Gäste 

 

Ich bin seit 3 Monaten im Amt und du, lieber Christoph stehst heute praktisch mit beiden Beinen in der Pension, wir könnten fast sagen, wir geben uns die Klinke in die Hand.

Ich habe dich erst im Verlauf des letzten Jahres persönlich kennen gelernt, als feinen und offenen Menschen, der mit Leidenschaft erzählt von seiner Arbeit, der mir mit Stolz das Kunstmuseum beschrieben hat. Dein breites Fachwissen und dein hoher Qualitätsanspruch waren für mich deutlich fassbar und es war für mich absolut klar, welch grosse Arbeit du in den letzten Jahren für unser Kunstmuseum, für unserer Stadt geleistet hast. 

 

Unsere Stadt bezeichnet sich selbstbewusst als Kulturstadt. Du hast mit deiner Arbeit und deinem Engagement einen grossen Anteil daran, dass wir uns diesen Titel geben können. Du hast unserem Museum national und international einen Namen gegeben.

 

Ich möchte hier nur ein paar Akzente erwähnen, die du in deiner Tätigkeit gesetzt hast:

 

Mit der Brunnenskulptur, 2004 von Roman Signer, hast du unserem Museum von aussen ein Markenzeichen gesetzt. So hat es sogar für die Kinder, für die es «das Stiefelmuseum» ist, ein Erkennungsmerkmal gesetzt.

Ich wurde sogar in Heilbronn auf den Stiefel angesprochen. Wenn ich Auswärtigen erklären will, wo das Museum ist, muss ich nur sagen: weisst du, dort beim Stiefel – offenbar war die Skulptur zuerst skeptisch aufgenommen? Heute lieben sie wohl alle in Solothurn.

 

Dann fand 2002 das Jubiläum 100 Jahre Kunstmuseum statt, mit dem Besuch von Ruth Dreifuss – und wenn ich nun rechne, werden wir 2027 125 Jahre feiern?  Ich meinte, ich hätte schon gehört, dass dies im Bewusstsein ist?

 

Eine grosse und erfolgreiche Ausstellung fand im Jahre 2011/12 statt, über Ferdinand Hodler und Cuno Amiet, welche viele Gäste ins Museum führte.

 

Dann hast du natürlich auch erfahren, dass eine Ausstellung ein anderes Echo auslösen kann, als erwartet wird, so mit der Ausstellung 2017 zu den Schweizer Trachten.

Und eben erst kürzlich mit den zwei Bildern von Frank Buchser, die du einander gegenübergestellt hast

 

Weiter hast du die Möglichkeit geschaffen für junge Kunsthistorikerinnen als wissenschaftliche Assistenz zu arbeiten. Diese Möglichkeit ist tatsächlich einzigartig in der Schweiz. 

Und offenbar hast du diese jungen Menschen sehr umsichtig begleitet.

 

Hier kann ich generell erwähnen, dass in deinem Team, der Stolz auf das Museum und die Freude hier zu arbeiten, deutlich spürbar ist, das habe ich bei meinem Besuch im Dezember klar wahrgenommen. 

Diesen Geist hast du geprägt, offenbar wird hier gerne gearbeitet. Ich kenne auf jeden Fall mindestens eine Person, die während deiner ganzen Zeit auch hier gearbeitet hat.

 

Du hast vieles mehr geprägt und eingeführt: 

 

Deine Führungen waren sehr beliebt, unter anderem die Veranstaltung «mein Lieblingsbild» indem Persönlichkeiten ihr Lieblingsbild vor Publikum vorstellten. 

Und ich habe gesehen, dass du im März auch durch diese Ausstellung eine Führung machen wirst?

Zudem hast du Podien und Lesungen veranstaltet, welche sehr beliebt waren.

 

Du hast eingeführt, dass nach Vernissagen gefestet wird, den Kunst soll man auch feiern, was absolut richtig ist – leider wurde das arg ausgebremst, so auch heute.

 

Du hast den Kontakt zu den Solothurnerinnen und Solothurner stets intensiv gesucht und gepflegt. Durch deine Kontakte gab es einige Beitritte in den Verein «Freunde des Kunstmuseums». 

Der Verein macht es sich seit mehr als 30 Jahren zur Aufgabe, das Kunstmuseum im Aufbau seiner Sammlung zu unterstützen. Ich möchte an dieser Stelle dem Verein für dieses Engagement herzlich danken.

 

Und natürlich ist hier auch die wertvolle Arbeit des Kunstvereins zu erwähnen, mit dem natürlich eine enge Bindung besteht und mit dem du Christoph, auch sehr gut zusammengearbeitet hast, auch da vielen Dank.

 

Und ebenfalls Dank an dieser Stelle an die Museumskommission.

 

Du hast auch die Zusammenarbeit mit deinen Kollegen unserer beiden weiteren städtischen Museen, dem Naturmuseum und dem Museum Blumenstein, gepflegt. Ich nehme euch da als Team wahr, das gut funktioniert.

 

Ja, uns in Solothurn ist Kunst und Kultur wichtig, es herrscht ein mehrheitliches Bewusstsein vor, dass Kunst und Kultur für eine Gesellschaft eine hohe und unverhandelbare Bedeutung haben. Mir ist bewusst, dass wir trotz dem vorhandenen Bewusstsein das Bekenntnis zur Kultur, zur Kunst immer wieder neu abholen müssen. Mir ist bewusst, dass wir hier zu diesem grossen Schatz und grossen Geschenk intensiv schauen und Sorge tragen müssen. Die Stadt wird in den nächsten Jahren das Bekenntnis zum Kunstmuseum klar machen müssen. Wir wissen, dass eine Sanierung notwendig ist. Die Überzeugungsarbeit werden wir alle gemeinsam leisten müssen. 

 

Lieber Christoph, vor 24 Jahren, hast du deine Arbeit als Konservator des Kunstmuseums aufgenommen, hättest du gedacht, dass du so lange bleibst, war das dein Plan? Und nun wirst du auch nach deiner Pension hier Solothurn bleiben – welches wunderschöne Kompliment für uns!

 

Nun ist dieser Tag gekommen, der Tag deiner Pension - ich stelle mir vor, wie es dir wohl geht? 

Bei einer Verabschiedung wird vor allem immer zurückgeschaut – schauen wir doch auch noch ein wenig voraus.

Ich habe schon verschiedenste Personen erlebt, welche in Pension gingen, der Moment, der vielen recht in die Knochen fährt, ist der, bei der die Schlüssel abgeben werden. Hast du das noch vor dir? Also mach dich gefasst.

Dann stelle ich mir vor, dass deine Agenda ab nächster Woche ganz anders aussieht – das kann sicher sehr befreiend sein, löst aber sicher auch ein mulmiges Gefühl aus? 

 

Dann stelle ich mir vor, dass viele fragen: und was macht du jetzt? 

Eine Weltreise? Marathon laufen? Arabisch lernen? Den Jakobsweg? Ein Kochkurs?

Oder hast du weitere Ideen?

 

Lieber Christoph, was immer du auch machst – ich freue mich einfach, wenn ich/wir dir ab und zu begegnen werden hier in der Stadt oder hier im Museum.

 

Danke dir von Herzen für deine grossartige Arbeit.