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STANDPUNKTE

Lesen Sie hier meine Beiträge für das Transparent, das Parteiblatt der SP Stadt Solothurn.

Ausgabe 7 | 2020 - Verschiedene Themen


Liebe Genossinnen und Genossen

Verschiedene Themen haben mich in den letzten Wochen beschäftigt:

Der Kantonsrat lehnte äusserst knapp das Stimm- und Wahlrecht für 16-Jährige auf kommunaler Ebene ab. Warum den Gemeinden nicht zugestanden wird, selbständig darüber zu entscheiden, verstehe ich nicht.

Es wurde eine grosse Chance vertan, unsere Jugendlichen ernst zu nehmen und sie früh für politische Anliegen und Interessen zu sensibilisieren. Als Schulleiterin bin ich immer wieder beeindruckt, wie differenziert, ernsthaft und gewissenhaft sich Jugendliche mit Themen auseinandersetzen und wie ausgeprägt ihr Wissensstand ist.

Es wurde gesagt, den Jugendlichen würde die Reife fehlen. Nun, ich erlebe viele junge Lernende nicht minder reif als erwachsene Mitmenschen. Jugendliche Lernende übernehmen Verantwortung und fügen sich in die herausfordernden Gesellschaftsstrukturen ein. Sie sind interessiert, engagiert und leisten wertvolle Arbeit.

Schüchtert uns etwa die Kraft ein, welche von jungen engagierten Menschen ausgehen kann? Die Klimajugend hat viel bewegt. Das ist beeindruckend und ich hoffe, dass sie ihren berechtigten Ängsten, Wünschen und Zielen weiterhin laut und deutlich Ausdruck verleihen.

Im gleichen Zug hat der Kantonsrat das Stimmrecht für unsere ausländische Bevölkerung abgelehnt, mit der saloppen Begründung, sie könnten sich ja einbürgern lassen. Bekanntlich ist das Einbürgerungsverfahren in der Schweiz eines der strengsten in Europa und bringt auch einen beachtlichen finanziellen Aufwand mit sich. Als zusätzliche Erschwernis steht die Tatsache, dass die Hürden von Kanton zu Kanton und von Gemeinde zu Gemeinde verschieden hoch sind. Hier wird also den Gemeinden Autonomie zugestanden.

Wir alle wissen, dass der Wohlstand der Schweiz zu einem gewichtigen Teil von ausländischen Arbeitskräften erwirtschaftet wurde. Dazu gehören auch die nicht gerade unerheblichen Steuereinnahmen ausländischer Arbeiterinnen und Arbeiter. Ich finde es unerfreulich und abstossend, diesen wertvollen Mitgliedern unserer Gemeinschaft die Mitwirkung der gesellschaftlichen Gestaltung unseres Zusammenlebens zu entsagen. Diesbezüglich hoffen wir auf die Volksabstimmung, welche bis Oktober 2021 durchgeführt werden muss. Welch ein Signal wäre ein Ja an unsere ausländische Mitbevölkerung: danke für eure jahrelange harte Arbeit hier in der Schweiz, danke, dass ihr unsere Gesellschaft bereichert!

Apropos ablehnende Haltung: habt ihr die SRF Serie „Frieden“ gesehen? Ich habe sie zusammen mit meiner 17 - Jährigen Tochter angeschaut. Wir waren beide gleichermassen begeistert und betroffen (und eben, junge Menschen sind interessiert, sehr sogar, und sie können sich eine Meinung bilden….).

Die Serie beleuchtet die Situation in der Schweiz unmittelbar nach Kriegsende (1945), aus verschiedenen Blickwinkeln. Im Zentrum der Geschichte steht eine Gruppe von jungen Männern und Knaben, welche das Konzentrationslager Buchenwald, tief traumatisiert, überlebt haben. Die Schweiz hatte mit den Alliierten ein vorübergehendes Übereinkommen diese Menschen aufzunehmen. Den jungen Männern und Knaben wurde jedoch rasch klar, dass die damalige offizielle Schweiz sie auf keinen Fall nachhaltig integrieren wollte. Der Antisemitismus war auch in der Schweiz weit verbreitet.

Die Serie beleuchtet weiter, wie die Schweiz vom damaligen Naziregime finanziell profitierte, auch über das Kriegsende hinaus.

Es gab viele Menschen mit Einzelschicksalen, die im Zuge der Weltgeschichte zerbrachen. Tief betroffen machte mich die Figur eines Mannes, dessen Aufgabe es war, Flüchtlinge an der Grenze zurückzuweisen, im Wissen, dass sie dort der sichere Tod erwartete. Darüber hinaus musste er feststellen, dass hohe Nazischergen in die Schweiz geflüchtet waren und hier lebten und ihren Geschäften unbehelligt nachgingen. Der Mann zerbrach an seiner Menschlichkeit.

Die Serie schlägt Brücken in die heutige Zeit: wie gehen wir mit Menschen in Not um? Wie begegnen wir fremden Menschen? Wie weit geht unsere Verantwortung, wenn es auch nicht unser direktes Handeln betrifft?

Petra Volpe, die Drehbuchautorin, hat es so ausgedrückt:

«….. ich mache eine solche Serie, weil mir zutiefst daran liegt, dass sich die Menschen nicht verschliessen und empathisch bleiben. Im Moment ist unsere Welt mit so wahnsinnig grossen. gesellschaftlichen Probleme konfrontiert, auf jeder Ebene, politisch, sozial. Da braucht es einfach wache Leute, die ein weiches und offenes Herz haben…..»

Dem ist nichts mehr anzufügen – und es noch mit Büne Huber zu sagen:

«uf au die wo nes grosses Härz hei und sich das ou nit löh lo näh!»

Heute mehr denn je – für alle statt für wenige!

Herzlichst, Stefanie Ingold




Ausgabe 1 | 2021 - Herausforderungen Sek I


Die aktuellen Herausforderungen der Sek I Wir setzen uns stets damit auseinander, was unsere Schüler*innen brauchen, um ihren Weg in die Berufswelt und in der Gesellschaft zu finden. Die Schule als einzigen Ort der Wissensvermittlung anzusehen, ist längst zu kurzgegriffen. Wie können die Schüler*innen am besten lernen, und welche Kompetenzen brauchen sie, um ihre Zukunft zu gestalten? Im letzten Schuljahr habe ich eine Arbeitsgruppe „Innovation“ eingesetzt, welche sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt und Umsetzungsvorschläge in das gesamte Team der Sek I eingebracht hat. Die einzelnen Unterrichtsteams sind nun daran, ihre gewählten Schwerpunkte umzusetzen. Die Phase des Fernunterrichtes hat uns in einem Schwerpunkt der Innovation weitergebracht. Wir haben festgestellt, dass ein grosser Teil der Schüler*innen gut selber bestimmen kann, wann sie was, wann und wo lernen möchten. Diese Erkenntnis setzen wir nun auch im Präsenzunterricht um. Schüler*innen können bei gutem Verlauf Arbeiten auch zuhause erledigen, so dass sie sich für ausgewiesene Lektionen nicht in der Schule aufhalten müssen. Natürlich ist diese Form des Lernens an verschiedene Bedingungen gekoppelt; erste Rückmeldungen von Eltern und Lernenden zeigen, dass wir diesen Weg weiterverfolgen können. Die educreators foundation stellte mir drei Fragen im Zusammenhang mit Innovation und Zukunft der Schule. Die Antworten sind zu hören unter: educreators foundation stefanie ingold - YouTube Weiter beschäftigt uns die digitale Transformation in der Schule. Es reicht nicht, den Schüler*innen ein Tablet auszuhändigen und davon auszugehen, dass es damit getan ist. Es braucht Strategien für die digitale Weiterentwicklung unserer Schule, damit wir den technischen Fortschritt förderlich umsetzen können. Vieles konnten wir bereits erarbeiten. Wir sind ständig daran, nötige Anpassungen vorzunehmen. Nicht die Technologie bestimmt unseren Unterricht, sondern wir bestimmen, wie wir sie wirksam einsetzen. Und schliesslich stehen wir vor der Frage, wie sich die Lehrstellensituation nach der Pandemie zeigen wird. Eine Kernaufgabe der Sek I ist der Berufswahlprozess. Für die 2. Sek Schüler*innen gestaltet sich das Finden von „Schnupperstellen“ zurzeit schwierig. Da ist Flexibilität gefragt und wir stellen die Schüler*innen für Berufswahlpraktika auch ungeplant frei. Erfreulicherweise zeigen sich die Lernstellenzusagen der 3.Sek zum jetzigen Zeitpunkt auf dem gleichen Stand wie in den letzten Jahren. Herzlich, Stefanie Ingold




Ausgabe 1 | 2021 - Corona bestimmt unseren Alltag


Liebe Genossinnen und Genossen Corona bestimmt den Alltag von uns allen; meinen beruflichen Alltag als Schulleiterin bestimmt er voll und ganz. Es beginnt am Morgen früh, mit dem ersten Blick auf das Handy: meldet sich eine Lehrperson ab, weil sie Symptome verspürt? Normalerweise kommen Lehrpersonen mit leichtem Husten oder Halsschmerzen zum Unterricht; jetzt geht das nicht. Wir haben einen Pikettdienst eingerichtet, um solche Situationen aufzufangen. Auch ich als Schulleiterin übernehme Einsätze. Lehrkräfte, die ausfallen, sei es wegen einer Quarantänezeit oder Isolation, müssen vertreten werden. Natürlich führt das auch bei uns zu personellen Engpässen, die schwer zu kompensieren sind. Schüler*innen die Symptome aufweisen, dürfen nicht zur Schule kommen. Es kommt vor, dass wir sie nachhause schicken müssen. Schüler*innen, die in Quarantäne sind, arbeiten von zuhause aus, was natürlich den Unterricht vor Ort nicht ersetzt. All dies braucht zusätzliche Organisation und führt zu einer Mehrbelastung. Es gibt Schüler*innen, welche durch Corona einschneidende Veränderungen erleben. Das beschäftigt mich am meisten. Da sind Eltern in Kurzarbeit, welche empfindliche finanzielle Einbussen hinnehmen müssen. Plötzlich lässt sich die Miete nicht mehr bezahlen und die Familie findet keine, ihren neuen finanziellen Verhältnissen angepasste, andere Wohnung in Solothurn. Sie müssen wegziehen. Eine Mutter, welche nach vier Arbeitsjahren in der Schweiz endlich ihre Kinder nachkommen lassen durfte, verlor wegen Corona ihre Arbeit. Findet sie keine neue Stelle, müssen die Kinder wieder ausreisen. Wir sind im täglichen Kontakt mit diesen Kindern und haben sie schätzen gelernt. Diese Ungewissheit auszuhalten macht uns ohnmächtig. Wir können nichts tun. Gibt es dennoch die Möglichkeit etwas zu tun, handeln wir. Ein Schüler ist durch eine Vorerkrankung hoch gefährdet. Eine Ansteckung könnte für ihn lebensgefährlich ausgehen. Wir fragten uns, was wir nach der Zeit des Fernunterrichts im Frühling, gegen seine Isolation tun könnten. Wir fanden eine Lösung. In Norwegen wurde ein Avatar entwickelt, welcher kranke Kinder in der Schule vertritt. Das Kind kann sich von zuhause aus, via Avatar, in den Unterricht schalten. Innerhalb von vier Tagen entschieden wir, diesen einzusetzen. Eine Entscheidung mit Kostenfolgen, die sich mehr als gelohnt hat; konnten wir doch auf diese Weise die Isolation des betroffenen Schülers etwas abschwächen. Corona wird uns noch eine Weile beschäftigen, für viele wird es schwerwiegende Folgen haben. Unterstützen und helfen wir dort, wo wir die Möglichkeit haben. Herzlichst, Stefanie Ingold





Oder hören Sie rein in die Podcasts des SP Stadt Solothurn.

Stefanie Ingold - Umwelt und Nachhaltigkeit

11. Januar 2021

Stefanie Ingold - Bildung, Finanzen und Soziales

27. Dezember 2020

Stefanie Ingold - Gesellschaft

10. Dezember 2020

Stefanie Ingold persönlich

26. November 2020

Stefanie Ingold, eine Stadtpräsidentin für alle

23. September 2020

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