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50 JAHRE FRAUENSTIMMRECHT

Beitrag im Azeiger vom 18. Februar 2021

Liebe Solothurnerinnen und Solothurner,

liebe Leserinnen und Leser

50 Jahre ist es her, dass in unserem Land das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. In den Medien konnten wir dazu verschiedene Dokumentationen und Berichte verfolgen. Darin wurde uns bestätigt, dass wir in der Frage der Gleichstellung einiges erreichen konnten, es aber weiterhin viel zu tun gibt.

 

Heute wie damals hängt es vom Willen aller ab, ob wir in der Gleichstellung von Frau und Mann weitere entscheidende Schritte machen können.

Die Argumente gegen das Frauenstimmrecht waren fadenscheinig und aus heutiger Sicht absurd. Viele Männer und auch einige Frauen wollten sich einer Gleichstellung aus Angst vor Veränderung verschliessen. Viele veränderungswillige Bürgerinnen und Bürger stemmten sich jahrzehntelang dagegen und errangen 1971 diesen historischen Abstimmungserfolg. Die Schweiz machte damit als eines der letzten Länder einen grossen Schritt in Richtung der politischen Gleichberechtigung von Mann und Frau. 

Ich erinnere mich an meine jungen Jahre. Das Thema Gleichstellung war für mich und meine Freundinnen ein zentrales Thema. Wir führten leidenschaftliche Diskussionen und Streitgespräche, waren 1991 beim Frauenstreik dabei, standen am 3. März 1993 auf dem Bundesplatz als Christiane Brunner nicht gewählt wurde und jubelten bei der Wahl von Ruth Dreifuss.

 

Gleichzeitig standen wir unsere persönlichen, kleineren Kämpfe aus: zum Beispiel wurden wir Berufsfrauen zu dieser Zeit noch mit "Fräulein" angesprochen und es brauchte doch einige harte Debatten und Diskussionen darüber, ob dies nun immer noch angebracht sei oder nicht. Selbst wagte ich mich in eine Männerdomäne vor, als ich Lehrerin an der Oberschule wurde. Wir Frauen waren auf dieser Stufe kaum vertreten. Während der Ausbildung blies uns ein rauer Wind entgegen. So war damals deutlich spürbar, dass unser Prüfungsexperte der Ansicht war, dass eine Frau den Herausforderungen in einer Oberschulklasse nicht gewachsen sei. Glücklicherweise unterstützte uns unser damaliger Praxislehrer, Toni Affolter, voll und ganz. Er hatte den offensichtlichen Willen, eine Veränderung herbeizuführen. 

 

Heute stehen wir an einem anderen Punkt. Das ist richtig. Aber es braucht weiterhin den starken Willen von uns allen, für eine Gesellschaft einzustehen, in der alle gleichbehandelt werden und gleichberechtigt sind. Auch zusätzliche Massnahmen sind nötig wie beispielsweise die Einführung von Frauenquoten in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten. Wer weiss, vielleicht werden die Argumente, die heute gegen eine Frauenquote ins Feld geführt werden, in 50 Jahre wieder nur Kopfschütteln auslösen.

In einem Kommentar erwähnte letzthin eine bekannte Persönlichkeit aus der Wirtschaft, dass der Vormarsch der Videokonferenzen ein Vorteil sei für die Frauen in der Arbeitswelt. Was meinte er wohl damit? Dass Frauen nun nebst Haushalt und Kindererziehung bequem von zuhause aus an einer Videokonferenz teilnehmen können? Das ist es nicht, was wir wollen, weil damit einzig alte Rollenbilder weiter zementiert werden. 

 

Für mich ist klar: es braucht noch viel Arbeit auf dem Weg hin zu einer umfassenden Gleichstellung. Auch deshalb sollte 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts die Zeit reif sein für einen nächsten Schritt: Solothurn erhält eine Stadtpräsidentin! 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Bleiben wir dran.

 

Herzlichst

Stefanie Ingold

 

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